Hans Rathgeb und die Polen Am
Silvestertag 2000 verstarb nach langer und schwerer Krankheit im 78.
Lebensjahr Hans Rathgeb unser
guter Freund und Helfer. Er hat vielen Polen, der Sache der Wiedererlangung der
Freiheit in Polen und vor allem der Wiedergeburt des dritten Polenmuseums
auf Schloss Rapperswil grosse Dienste erwiesen. Seine spontane und
herzliche Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit, sein Ideenreichtum und
seine Fähigkeit, diese Ideen humorvoll und mit Tatkraft in Realität
umzusetzen, bleiben unersetzlich und unvergessen. Wir ehrten und liebten
ihn für seine Art und für seine Leistungen. Die folgende Erinnerung stützt
sich in wesentlichen Teilen auf ein Interview, welches HR der polnischen
Journalistin Ella Binswanger für die polnische Monatszeitschrift NASZA
GAZETKA in der Schweiz am 10. April 1998 gewährte (Zitate von HR sind
kursiv gekennzeichnet). |
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Nach
Abschluss einer kaufmännischen Lehre begann HR 1946, d.h. mit 22 Jahren,
ein Volontariat bei der Linthzeitung in Rapperswil. Deren Chefredaktor war
schon seit Jahrzehnten Dr. Josef Ammann. Dieser hatte im Oktober 1927 als
Hauptmann der Schweizer Armee zusammen mit Leutnant von Hinnen den
Transport mit den Sammlungen des Polnischen Nationalmuseums
Rapperswil und mit dem Herzen des Polnischen |
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Nationalhelden
Taddäus Kosciuszko nach Warschau begleitet. Ammann beschrieb seine
Erlebnisse in Polen in mehreren Artikeln in der Linthzeitung, die
anschliessend auch in Buchform erschienen („Das Polenmuseum 1870-1927.
Denkschrift zur Überführung des polnischen Nationalmuseums von
Rapperswil nach Warschau“, Rapperswil 1927). Der junge Rathgeb hatte
also einen Patron, der über Polen nur Gutes zu berichten wusste. 1972 übernahm
HR die alleinige Redaktion der Rapperswiller DIE LINTH. Ende Januar 1954
wurde der Verein der Freunde des Polenmuseums Rapperswil gegründet. Präsidentin
wurde die ehemalige Betreuerin polnischer internierter Soldaten Ella
Hohl-Hostetter aus Herisau, die Ortsbürgergemeinde war im Vereinsvorstand
durch ihren Präsidenten RA Dr. Alfons Curti-Motta vertreten. Natürlich
wurde auch Dr. Ammann Vorstandsmitglied und Hans Rathgeb eines der ersten
Vereinsmitglieder. Nach dem Tode Ella Hohls 1956 wurde der Herausgeber der
Zürichsee- Zeitung in Stäfa, der
immer charmante und liebenswürdige Nationalrat Dr. Theodor Gut
Vereinspräsident. Zehn Jahre später, d.h. 1966 gab Dr. Gut dieses Amt an
den best‘ möglichen Kandidaten, d.h. an Hans Rathgeb weiter. |
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Im
Polenmuseum an der Eröffnung einer Gemäldeausstellung von Tadeusz
Wojnarski am 21.4.1979. - Es stehen v.l.n.r.: Janusz Morkowski, Walter
Domeisen sen., Hans Rathgeb |
Es
war das Jahr des 1000-jährigen Jubiläums des Christentums in Polen, das
so genannte Millenium Poloniae.
Die Organisierung der gross angelegten Feierlichkeiten wurde zur ersten
ernsthaften Aufgabe des jungen Vereinspräsidenten. HR: Nach dem Auszug der kommunistischen Polenvertreter aus dem Schloss
1952 wollte man in Rapperswil von Polen nur noch wenig wissen. Die Polensäule
verbannte man auf einen fast nicht sichtbaren Platz – das war einfach
erniedrigend. Den Rapperswilern wurde erst allmählich die Bedeutung der
Verbindung mit Polen bewusst, als nämlich aus aller Welt Stimmen laut |
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wurden,
die das Ende einer 80-zig jährigen guten Zusammenarbeit von Polen und
Rapperswilern äusserst bedauerten. Im
Jahr 1967 beschloss der Vereinsvorstand die Polensäule aus der Versenkung
hervorzuholen. Die Ortsbürgergemeinde bot als neuen Aufstellungsort den
heutigen Platz auf dem Lindenhügel direkt neben dem Schlosseingang an.
Die Einweihung der Polensäule am neuen Standort erfolgte am 30. November
1968. Um die hohen Kosten dieses Umzugs (von über 50 000 Fr)
sicherzustellen griff HR auf seine frühere Erfahrung bei der Herausgabe
des Rapperswiler Rosentalers zurück und liess nunmehr einen Polentaler prägen,
dessen Verkauf einen Gewinn von immerhin 15 000 Fr erbrachte.
HR:
Zu dieser Zeit lernte ich in den kleinen Stuben im Erdgeschoss des
Schlosses Professor Alfons Bronarski aus Fribourg kennen und schätzen. Er arbeitete an den Ausstellungen
eigenständig besonders erinnere ich mich an die Exposition „Der
Polenaufstand von 1863“. Neben ihm wirkten die Herren Dr. Janusz
Rakowski, Roman Gierszewski, Henryk Wegier und Zdzislaw Pregowski. Sie alle standen fest zur Idee eines Polenmuseums. Mit im
Bunde war auch ein Schweizer, Dr. Alfred Loepfe, ein Gymnasialprofessor
aus Luzern. Er kannte die polnische Sprache, war ausserordentlich
kompetent und stets voll im Einsatz für unsere Sache. Auch Dr. Gut war
mir seit je her – auch als Journalist – als guter Freund und Ratgeber
immer verbunden. Im
Frühjahr 1973 lernte HR Janusz Morkowski aus Dübendorf kennen. Dieser
kam mit der Idee, in dem kaum belebten Schloss eine Copernicus-Ausstellung
aus Anlass des 500. Geburtsjubiläums des
berühmten Astronomen zu veranstalten. Im Juni des gleichen Jahres
wurde aus dieser Idee eine der grössten Ausstellungen zur Geschichte der
Astronomie von Ptolemäus in Alexandrien bis zur Landung der Amerikaner
auf dem Mond. Rathgeb und Morkowski wirkten Hand in Hand mit bestem
Erfolg. Sie erreichten die Unterstützung des Ortsverwaltungsrates und
eines Gönners in Person von Dr. Julian Godlewski aus Lugano, der sich
bereit erklärte, die ganze Ausstellung zu berappen. Hierzu
HR: Godlewski war ein stürmischer Freund des Polenmuseums und offerierte
uns jährlich 5000 Fr., solange ich Präsident wäre. Ich entgegnete ihm:
Wenn ich 20 Jahre bliebe, wären dies 100 000 Fr. und so wäre es besser,
wenn wir eine solche Spende sogleich erhielten. Dies gelang tatsächlich
und so hatten wir unser erstes Kapital.- Morkowski hingegen war ein
ausserordentlicher Glücksfall für Polen und Rapperswil. Er ist Kopf und
Seele der Bewegung und überlegener Meister der Gestaltung von Ideen.
Meine Erfahrungen mit ihm : Es ist schön Präsident zu sein, wenn die
Lokomotive stets vorwärts drängt. Unser Verhältnis war stets das beste,
ohne jemals etwas Unschönes. – Im Zusammenhang mit dem
Copernicus-Symposium ergab sich übrigens eine kuriose Situation.
Bekanntlich reklamierten die Deutschen den Copernicus für sich und die
Polen hielten ihn für einen der ihren. Eine Professorengilde aus München
hingegen, die beim Symposium mitmachte, stand bezüglich Copernicus fest
auf der Polenseite. Der
grosse Erfolg der Copernicus-Ausstellung verbunden mit einem zweitägigen
Symposium zur Geschichte der frühen Astronomie – es kamen weit über 10
000 Besucher darunter Ausflüge von Fachastronomen und Astronomiestudenten
bis aus München; ebenso die Resonanz in der Presse war ausserordentlich
gut. HR hierzu: Das wichtigste an
der Copernicus-Ausstellung war: Sie gab uns Selbstvertrauen in unsere
eigene Kraft und auch die Zuversicht, gelegentlich auch etwas Grösseres
zu unternehmen. Jedenfalls verlieh die Ausstellung dem Verein ein gutes
Renommee. Der
Erfolg der Copernicus-Ausstellung bewog den Rapperswiler
Ortsverwaltungsrat unter Eduard Fornaro dem „Polenverein“, wie er hier
kurz genannt wurde, ein ungewöhnliches Angebot zu unterbreiten. Die Ortsbürger
erklärten sich im Jahre 1974 bereit, dem bisherigen Schlossmieter (dem
Schweiz. Burgenverein) zu kündigen und dem Polenverein das zweite
Obergeschoss für die Einrichtung eines neuen Polenmuseums zu überlassen.
Bedingung war, dass das neue Museum ähnlich attraktiv sein sollte, wie es
die Astronomieausstellung war. Mit dieser Kondition war die Weiterführung
der Allianz Rathgeb-Morkowski besiegelt, denn beiden war daran gelegen,
dass im Schloss wieder ein interessantes und schönes Polenmuseum
entsteht. Im Juni 1975 wurde das dritte Polenmuseum von Hans Rathgeb und
vom neuen Präsidenten des Ortsverwaltungsrats, Walter Domeisen feierlich
eröffnet. Auch wenn es zunächst ein in jeder Hinsicht armes Museum war,
war es ein guter Anfang und ein persönlicher grosser Erfolg von Hans
Rathgeb und seinen Talenten für die neue Institution zu werben und Verbündete
zu suchen. HR sagt hierzu bescheiden: Das war nun wirklich das Werk von J. Morkowski, der für das Konzept
und Museumsgut verantwortlich war und diese Aufgabe mit Erfolg bewältigte.
Unter den gegebenen Umständen präsentierte sich die Ausstellung gut. Wir
wussten, dass die Ortsgemeinde ihr Schloss zu viel lukrativeren
Bedingungen hätte vermieten können. Sie stand aber fest zur Polenidee,
was mich beeindruckte. Der Stellenwert des Polenmuseums ist nach wie vor
gut dank der Verbindung zur Ortsgemeinde, die im allgemeinen fest zu uns hält.
Ich habe da und dort auch schon etwas nachhelfen können. Für das 1975 neu eröffnete Museum wurde dringend ein
Verwalter gesucht, welcher nach dem Rechten sieht und die Gäste betreut
und führt. Auch hier hatte
HR eine glückliche Hand. Wie durch ein Wunder fand er Marty Hofer-Furrer,
eine Rapperswilerin und Mutter von vier Kindern. Während der nächsten 20
Jahre wurde „unsere Marty“ zur zentralen Person des Polenmuseums. Sie
erlernte u.a. die polnische Sprache und Geschichte und wurde von Hunderten
von Polen von nah und fern als die „Polenmuseumsdame“ schlechthin
angesehen. HR sagt hierzu: Die
Ortsgemeinde organisierte im Mai-August 1975 im Rittersaal eine
Ausstellung „Barock in Rapperswil“. Marty Hofer stellte sich als
uneigennützige Mitarbeiterin dieser Ausstellung zur Verfügung. Auf dem
Weg zur Exposition musste sie (vor dem Umbau von 1989) stets durch das
Polenmuseum hindurch. Allmählich war sie vom Polenmuseum derart
begeistert, dass sie sich in dessen Dienst stellte, übrigens mit grösstem
Erfolg und Anerkennung von jedermann. |
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Besuch
des Seelsorgers der poinischen Emigranten, Bischof Dr. Wladyslaw Rubin aus
Rom im Polenmuseum Rapperswil am 23.4.1977. Es stehen v.l.n.r.: Arnold
Wirth, Solothurn; Marian Respond, Lausanne; Janusz Morkowski, Hans
Rathgeb; NN; Dr. Julian Godlewski; NN; Bischof Rubin, Pfarrer Jan Frania
Marly; Andrzej Krzeczunowicz, Vizedir. der poinischen Abteilung des
Senders Free Europe München |
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Der
Mäzen der Copernicus-Ausstellung, Dr. Julian Godlewski aus Lugano, machte
auch beim dritten Polenmuseum weiterhin als Hauptsponsor mit, nicht
zuletzt dank dem guten Eindruck, den effizienten Leistungen und den guten
persönlichen Kontakten zum Dreigespann Rathgeb, Domeisen und Morkowski.
Nach dem Tode Godlewskis 1983 übernahm seine Stiftung jährliche Unterstützungszahlungen
an das Polenmuseum. Der
nächste Meilenstein im Wirken Hans Rathgebs war die Gründung der
Polnischen Kulturstiftung Libertas Rapperswil im Jahre 1978. Unter dem
Vorsitz des weltberühmten Philosophen und Logikers Prof. J.M.
Bochenski,O.P. aus Fribourg wurden Hans Rathgeb und J. Morkowski Vizepräsidenten
des Stiftungsrates. Hierzu HR: Die Stiftung war sicher notwendig und nützlich, insbesondere für die
sichere Anlage grösserer Spenden wie z.B. von Dr. Julian Godlewski oder
von Dr. Michael Graf Potulicki. Ich konnte für die Stiftung das Haus
Burghof am Rapperswiler Hauptplatz vermitteln, damit wir unseren
potentiellen Spendern entsprechend grosse hypothekarische Schulden
vorlegen konnten, damit diese uns bei der Schuldentilgung helfen können.
Die Stiftung ist ein wertvolles, ja unentbehrliches Hilfsmittel für das
Polenmuseum.- Pater Bochenski war eine fulminante Persönlichkeit ! Eines
Tages im Spätherbst 1979 erschien er nicht wie gewohnt an der Sitzung des
Stiftungsrates Libertas in Rapperswil. Bochenski war Spätling-Pilot
(Jahrgang 1902), wegen starkem Nebel konnte er nicht in Wangen (am Zürcher
Obersee) landen und musste er zu seinem Ausgangs-Flughafen nach Fribourg
zurückfliegen. Er unterstützte uns mit seinem ganzen Prestige, was uns
und dem Museum gut tat.
Im
Jahre 1981 gab Hans Rathgeb den Vorsitz des „Polenvereins“ an Paul
Heeb weiter, der es bis 1990 bis zu seiner Wahl zum Präsidenten des
Ortsverwaltungsrates inne hatte. Die Generalversammlung des Vereins wählte
Hans Rathgeb zum Dank für seine Verdienste zu ihrem Ehrenpräsidenten auf
Lebenszeit. Auch im „zweiten Glied“ blieb HR in jeder Hinsicht für
das Polenmuseum aktiv und nützlich.
Ihm verdankt die Stiftung Libertas, dass sie in Rapperswil heimisch
werden und erste Erfolge verbuchen konnte. Nicht zuletzt dank seiner
beharrlichen und überzeugenden Fürsprache entschloss sich die Ortsbürgergemeinde
Rapperswil zu einer Art Schirmherrschaft über das in ihrem alten Schloss
ansässige Polenmuseum. Auf einem weiteren Gebiet blieb Hans Rathgeb
unerreicht und einsame Spitze, nämlich als Publizist, Chronist und
Verfechter jener Werte, denen das alte und das heutige Polenmuseum
gewidmet war und ist. In unzähligen Presseartikeln warb er für die
Anliegen der um ihre Freiheit ringenden Polen, um die Idee einer mit
diesen Freiheitsbestrebungen solidarischen Schweiz und um das Bewusstsein,
dass die in Rapperswil in Gestalt des Polenmuseums präsentierte
kulturelle Vielfalt eine Bereicherung für die Rosenstadt darstellt. Es
gibt kaum eines der vielfältigen und eindrucksvollen mit Polen zusammenhängenden
Ereignisse im Schloss Rapperswil, die in den vergangenen 40 Jahren nicht
von Hans Rathgeb beschrieben und mit Sachverstand und Wohlwollen
kommentiert worden sind. Ihm verdanken wir im besonderen Masse, dass diese
scheinbar fremde Oase des Polentums im Rapperswiler Schloss heute von
vielen Schweizern und im besonderen von Rapperswilern zunehmend als ein
integraler Teil der Rosenstadt mit Sympathie und Verständnis gesehen und
empfunden wird. Hierzu
HR: Die Verankerung des Polentums auf Schloss Rapperswil bietet eine
grosse Chance und Plattform für einige Schritte weiter. – Bilanz ? Wir
stehen an einem Höhepunkt, der genutzt werden sollte. Polnische Freunde
zu gewinnen ist leichter als schweizerische, die von Natur aus skeptischer
sind und vorerst „erwärmt“ werden müssen. Nicht jeder Rapperswiler
ist sich der Bedeutung und vor allem der Ausstrahlung der Polenidee im
Zusammenhang mit der kleinen Schweizer Stadt Rapperswil bewusst –
einmal, weil es sich bei der von Schloss Rapperswil aus gepflegten
polnisch-schweizerischen Freundschaft, um eine seit 130 Jahren verankerte
Tradition handelt, was nicht allen bekannt ist, und zweitens, weil die
Jahrhunderte langen Leiden des polnischen Volkes im Westen einfach zu
wenig bekannt geworden sind. Die polnisch-schweizerische Freundschaft
sollte vom Polenmuseum hinaus getragen werden in die Herzen vieler
Schweizer. Eine Öffnung brächte eine beidseits willkommene Vertiefung
der kulturellen Beziehungen, die weiterhin gepflegt werden sollten. Ideen
sind keine Idyllen. Geschichte ist die Grundlage der Zukunft. Beide Völker
hätten einander so viel zu sagen, doch Zeiten und Winde sind heutzutage
so rasch wandelbar und oft oberflächlich. Schade ! Es bleibt wohl kaum
anderes übrig, als kleine Schritte hin zu unbeirrbaren Zielen. Über
seine Kontakte zu Polen sagt HR: Bei
der Einweihungsfeier der erneuerten polnischen Freiheitssäule im Jahre
1968 haben wir aller Völker gedacht, die um ihre Freiheit ringen. Damals
hatte ich gelobt, das unfreie Polen nie zu betreten, aber auf den Tag zu
hoffen, an dem Unrecht gutgemacht und Polen in Freiheit wiedererstehen würde.
Der politische Umbruch im Osten 1989 war für mich eines der denkwürdigsten
Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Ich nahm daher 1994 gerne die Gelegenheit
wahr, Polen erstmals zu besuchen und Land und Leute kennen zu lernen. Zwei
Jahre darauf führte ich eine stattliche Gruppe erneut ins Land. Ich
besuchte auch das ehemalige KZ Ausschwitz-Birkenau, weil es für mich
wichtig war dort zu sein. Befragt
nach seinen ersten Kontakten zu Polen sagt HR:
Ich erinnere mich noch als kleiner Bub an das Mausoleum für Taddäus
Kosciuszko im Pulverturm. 50 Jahre später staunte ich vor dem Weissen
Haus in Washington, dass davor ein Denkmal des polnischen Freiheitshelden
steht. Ich mag mich auch erinnern, dass beim Hotel Schwanen zusätzlich auch dessen polnische Benennung „Pod £abêdziem“ hing.
Im Polenmuseum war ich als kleiner Bub
von den verschiedenen Landkarten beeindruckt und von den Teilungen
Polens und war erstaunt, dass es so etwas überhaupt gibt.
Als junger Mann war ich von verschiedenen Chopin-Konzerten im
Schloss begeistert, wie z.B. von Stefan Askenase. –Eigentlich sollten
wir im Schloss jedes Jahr ein
Chopin-Recital organisieren. Meine späteren Erfahrungen mit Polen waren
immer gut. Bei den internierten Polen hat man nie von Kriminalität gehört,
dafür waren sie alle glühende Patrioten. Ich habe keinen Polen kennen
gelernt, der im Inneren böse oder schlecht gewesen wäre.
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Zum
heutigen Polen sagt HR: Polen war
der Anfang der grossen politischen Wende und hat damit das Verdienst, zur
Gerechtigkeit in der Welt einen massgebenden Beitrag geleistet zu haben.
Wa³êsa hatte wie keiner verdient, erster Präsident der Republik zu
werden. In keinem anderen Land war so viel Mut zu erkennen. Polen erlebt
die neue Zeit ohne altes Regime, mit allen Vor- und Nachteilen. Ich war
beeindruckt von der offenherzigen Mentalität in allen Schichten und von
der Umgänglichkeit der Prominenten. Für mich persönlich war der Empfang
von Präsident Wa³êsa in Rapperswil wichtiger, als die nachfolgenden
Wahlen in Polen. Den Kredit, den sich Polen im Westen geholt hat, ist in
hohem Masse ihm zu verdanken. Nach
einem Resümee gefragt sagt HR: Polen
und Schweizer können sich vieles bieten. Ich kann nicht so tiefschürfend
analysieren wie die Professoren Bochenski und Jeanne Hersch, denn ich bin
im Grunde ungebildet und überall nur
ein Autodidakt, daher stütze ich mich auf das, was ich persönlich und
direkt erlebt habe. |
Hans
Rathgeb und Janusz Morkowski am ersten Treffen der Ständigen Konferenz
Poinischer Museen, Bibliotheken
und Archive im Westen, Rapperswil, 23.9.1978 |
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Nach
meinen Erfahrungen gibt es Grundlagen dafür, dass wir zusammengehen, und
das Schöne dabei ist, dass wir uns im Kulturellen begegnen können. In
Polen gibt es alles in einem grossen Massstab (auch die Probleme) und
damit auch eine grössere Sicht. In der Schweiz war alles im Kleinen;
schon daher können beide von einander lernen. Dabei geht es nicht um eine
Massenbewegung sondern um einige wenige, die bereit sind diesen Weg zu
gehen. In
Anerkennung seiner Verdienste hat das freie Polen Hans Rathgeb mit dem
Goldenen Verdienstkreuz der Republik Polen ausgezeichnet und als Ritter in
den Orden Polonia Restituta / Wiedergeborenes Polen aufgenommen, eine der
höchsten Auszeichnungen der Republik, zu vergleichen mit der französischen
Ehrenlegion. Wir
sind Hans Rathgeb zu grösstem und bleibendem Dank verpflichtet und
trauern um einen grossartigen und liebenswerten Menschen, um unseren
unersetzlichen Ratgeber und Helfer und um unseren besten und treuesten
Freund.
Vorstand
und Freunde des Polenmuseums Rapperwil
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