Zuger Presse 2. November 2001

 

"Es war wie im Paradies"

Hansruedi Hürlimann

 

1943 entwaesserten internierte Polen Riedland bei Steinhausen  

 

Eine beachtliche Schar von Steinhausern nahm zusammen mit Vertretern der polnischen Gemeinschaft in der Schweiz an der Einweihung eines Gedenksteins im Bann teil.

An schönster Aussichtslage am Waldrand im Bann sieht seit dem letzten Sam­stag ein Gedenkstein aus Nagel­fluh, der mit einer schlichten Inschrift versehen ist. Er erinnert an die rund hundert  polnischen Soldaten die im Februar 1943 als so genannte

 

Uczestnicy spotkania w Steinhausen

Internierte in Steinhausen zum Einsatz kamen, um Riedland zu entwässern und Waldflächen zu roden. Sie gehörten zu den polnischen Staatsbürgern, die zu Beginn des 2.Weltkrieges an der Seite der Franzosen gegen die Deutschen kämpften. Viele von ihnen waren damals als Gastarbeiter in Frankreich tätig, und der Kampf gegen das Regime des Dritten Reichs war eine Ehrensache. Die polnischen Regimente wurden von der Wehr­macht aber derart bedrängt, dass sie um Asyl in der Schweiz nachsuchten mussten, wo sie die Bevölkerung mit Wohlwollen aufnahm.

 

Rodungen für Kartoffelfelder.

Auch in Steinhausen waren die jungen und „gschaffigen“ Polen in ihren flotten Uniformen gern gesehen. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man den Zeitzeugen zuhört. Einer da­von ist Anton Zürcher, der als Bub den fremden Männer half, die so eine komische Sprache redeten und die sonntags in Marschformation zum Gottesdienst der katholischen Kirche an­traten. Heute ist Zürcher der Initiant  für einen Gedenkstein. Dank der Unterstützung durch die Waldgenossenschaft und Sponsoren, allen voran die Firma Vanoli und das Bauamt der Gemeinde Steinhausen, konnte der Stein an einer günstigen Lage und einem eigens dafür geschaffenen Platz aufgestellt  werden.

Eine Tafel enthält die wichtigsten Informationen, und eine Sitzbank lädt zum Verweilen ein. Der Platz befindet sich an der Stelle, wo vor 58 Jahren die polnischen Soldaten zwei Hek­taren Waldfläche rodeten, welche die Waldgenossenschaft im Rahmen des Plans von Bun­desrat Wahlen für den Kartoffelanbau bereitstellen musste.

 

Schweiz als Heimat

Der Gedenkstein wurde von Aurelia Krynica als Vertreterin des polnischen Konsulats ent­hüllt und von Wlodzimierz Czerwinski von der katholischen polnischen Mission in Zürich ein­gesegnet. Von den etwa 70 ehemaligen Internierten, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz blieben und heute noch leben, nahmen fünf an der Gedenkfeier im Bann teil. Jan Bem sprach im Namen seiner Kameraden. „Es war wie im Paradies“, schildert er noch heute den Empfang, den er als Junger Offiziersaspirant nach den Strapazen des Krie­ges in der Schweiz erlebte. Die Jungen Polen dankten die Gastfreundschaft mit einem viel­fältigen Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft, im Strassenbau und sogar in der Erz- und Kohlenförderung. Rund 500 von ihnen blieben nach Kriegsende hier. Einer von ihnen war Jerzy Rucki, mit dessen Hilfe Anton Zürcher das Vorhaben des Gedenksteins in die Wege leitete. Rucki hat sich eingehend mit der Situation der internierten Polen beschäftigt und mit seinem Buch «Die Schweiz im Licht, die Schweiz ins Schatten» einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieser Ereignisse geleistet. Leider ist er vor vier Wochen verstorben; somit blieb ihm die Teilnahme an der Feier in Steinhausen versagt, auf die er sich sehr gefreut, haben soll.