Die Debatte von Rapperswil vom 24.06.2008 -  Eine erste Auseinandersetzung

Anna Buchmann

 Direktorin von Polenmuseum im Rapperswil

 

Nach einer Periode von Unsicherheit und Bedrohung, die uns im Verlauf dieses Jahres die Gruppe „Pro Schloss” beschert hat, kann man nach der Diskussion vom Dienstag sagen: Vorläufig bleibt des Polenmuseum erst einmal im Schloss.

 

Die Debatte vom Dienstag organisiert hatten die Bürgergemeinde und die Stadt Rapperswil-Jona. Daraus könnte sich ein Weg abzeichnen, um die Interessen der Gruppe „Pro Schloss” und diejenigen des Polenmuseums unter einen Hut zu bringen.

 

An der Versammlung haben rund 300 Personen teilgenommen, was eine tiefe Verbeugung verdient an die Adresse unserer Freunde, die weder Zeit noch Mühe gescheut haben, um an diesem Hitzetag auf das Schloss zu kommen und durch ihre Anwesenheit ihre Treue an die Idee und Tradition eines Museums zum Ausdruck zu bringen, das sich seit nunmehr 140 Jahren immer weiter entwickelt.

Auf dem Podium hatten folgende Personen Platz genommen: Philippe Bachofner, Organisator der Konzerte im Rittersaal; Peter Röllin als Vertreter der Kulturschaffenden der Stadt; Jakob Schäppert als Vertreter der politischen Partei FDP und der Gruppe „Pro Schloss”. Die Argumente für eine Weiterführung des Polenmuseums in den Räumlichkeiten des Schlosses bemühte sich im Namen unseres Vereins Prof. Dr. German Ritz darzulegen, was er mit grossem Erfolg fertigbrachte. Die Leitung der Debatte hatte der Journalist Hans Spörri übernommen.

 

Während der ersten halben Stunde war auch der Initiator der Gruppe „Pro Schloss”, Bruno Hug, im Saal anwesend, der in seinem längeren Statement Ziel und Absichten der besagten Gruppe vortrug. Die Diskussion sollte nach dem Willen ihrer Organisatoren ein Gespräch sein zwischen den Podiumsteilnehmern und dem Publikum über eine bessere Nutzung des Schlosses, das für die Stadt Rapperswil ein Gebäude mit Symbolcharakter ist. Die Diskussion drehte sich vor allem um das Museum, erörtert wurden dessen Attraktivität und Bedeutung für die Stadt.

 

Die zugunsten des Museums sprechenden Argumente – sie stellten eine Mehrheit dar – erinnerten vor allem an den geschichtlichen Kontext, die Verankerung des Museums in der Stadt, die internationale Ausstrahlung und die Popularität. Unbestritten blieb die Rolle des Museums als Bildungsinstitution, denn sogar unser Gegner machte griff auf Informationen zurück, die er in unserem Museum vorfand.

 

Nicht eigentlich in Frage gestellt wurde die Präsenz des Museums im Schloss, einer Kritik unterzogen wurde jedoch die Ausstellung. Und dies sehr pauschalisierend, ohne Angabe konkreter Beispiele. Unzufriedenheit hinterliess das Profil des Schlossrestaurants, man wies auf das Beispiel des Rietbergmuseums hin, in dem ein klassisches Museumsrestaurant geführt wird, das Getränke und Süssigkeiten sowie leichte Mahlzeiten anbietet (leicht auch für das Portemonnaie).

 

Die Gruppe „Pro Schloss” (im Saal anwesend waren vier Vertreter dieser Gruppierung) legte ihre Vorschläge für eine neue Bewirtschaftung des Schlosses nicht offen dar und war auch nach mehrmaliger Bitte nicht bereit, die personelle Zusammensetzung der Gruppe bekannt zu geben. Sie kündigte die Notwendigkeit von Änderungen auf dem Schloss an sowie die Bereitschaft, die aus den Treffen von Arbeitsgruppen hervorgehenden Vorschläge zu prüfen.

 

Welche Schlussfolgerungen sind zu ziehen? Für uns sind diese positiv. Die Debatte um das Museum hatte mehr Anhänger unserer Institution angezogen als Gegner. Die Weiterexistenz des Museums in den Räumlichkeiten des Schlosses stand nicht zur Diskussion, doch wurde diese auch noch nicht vollständig bestätigt.

 

Die Behörden von Stadt und Gemeinde erwarten nun Vorschläge und machen von diesen ihre endgültige Entscheidung abhängig. Wie wird das Museum künftig ausse­hen, in welchen Räumen genau wird es seine Tätigkeit weiterführen müssen? Das alles sind Fragen, für die wir weiterkämpfen müssen.

 

Die erste Auseinandersetzung haben wir gewonnen. Die Berichterstattung über den Anlass in der von Bruno Hug kontrollierten Zeitung „Obersee Nachrichten” lässt den Schluss zu, dass wir weiterhin mit der Forderung nach einem Verlassen des Schlosses konfrontiert sein werden. Das ist offenbar das Ziel der besagten Gruppe, und es macht nicht den Anschein, als ob die Debatte vom Dienstag die Haltung Bruno Hugs geändert hätte.

 

Ihre Anwesenheit war ein Beweis für die grosse Vitalität unserer Institution und von der breiten Unterstützung, die sie – gegen die Behauptungen der Gegner – geniesst. Für mich persönlich war Sie auch Ausdruck Ihres Edelmutes.

 

Allen – Schweizern wie Polen; denjenigen, die herkamen, wie auch denjenigen, die nicht kommen konnten, dies uns aber mitgeteilt und uns dadurch geistig unterstützt haben; denjenigen, die Petition unterschrieben haben, weil sie gemerkt haben, dass es sich lohnt, ein derart wichtiges Polonicum in der Schweiz zu pflegen – all diesen Menschen spreche ich in meinem eigenen Namen und in demjenigen aller Mitarbeitenden des Polenmuseums meinen innigsten Dank aus.

 

Erhalten bleibt mein Aufruf, uns weiterhin unterstützen und helfen zu wollen. Ihr guter Wille und Ihr Herz sind der Webstoff, aus dem unser Museum immer wieder neu geschaffen wird.