DIE GESCHICHTE DER 20 MILLIONEN AUSLANDSPOLEN (POLONIA) 

           Michael Pieslak                                       

Die polnische Bevölkerung wird weltweit auf rund 60 Millionen geschätzt. Obwohl es unmöglich erscheint die Zahl der Polnischen Diaspora genau festzusetzen, versuchen wir die Informationen über die Zerstreuung und der Zahl der Auslandspolen ständig zu aktualisieren. Sollten sie aktuellere Zahlen über Bevölkerungsteile polnischen Ursprungs haben, bitte ich Sie mir diese zu zusenden. Es war zudem unmöglich polnische Gemeinden in Ländern aufzulisten, wo derer Zahl weniger als 50 Köpfe beträgt. Polnische Wissenschaftler ,beispielsweise in der Antarktis, die nur zeitweilig im Ausland leben sowie die polnischen Staatsangehörigen, die auf Bohrinseln arbeiten gehören selbstverständlich nicht zu den Auslandspolen. Die Polnische Diaspora kann man in zwei Hauptgruppen unterteilen: Die Eine sind Emigranten und deren Nachfahren, die kulturell, emotionell und oft sprachlich der polnischen Tradition und Kultur treu geblieben sind. Diese Emigration hatte entweder politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund. Seit dem 19 Jh. emigrierten Polen bis in die 90er Jahre des 20 Jh.

Die andere Gruppe bilden die polnischen Minderheiten auf dem Gebiet der ehem. UDSSR, die Polen nie verlassen haben, aber die „von Polens Ostgrenzen verlassen wurden“. Viele wurden nach Kasachstan oder Sibirien verschleppt von den Sowjets ausharren. 60% aller Auslandspolen residieren in Nord Amerika, viele wohnen in West Europa, Brasilien, Argentinien, Australien, Ex-Sowjetunion, Südafrika und anderen Ländern.

Unter dem Link „Polonia“ finden sie viele Artikel (auf polnisch) und Bilder über das Leben und die Geschichte der Auslandspolen. „Diaspora Polska“stellt ein Vergleich zwischen den größten Diasporas dar. Die 20 Millionen Auslandspolen, die 33% des gesamten polnischen Volkes umfassen gehören sicherlich dazu wie die 20 Millionen Iren, von denen nur 3.6 Mill. in der Republik Irland wohnen. Zum Vergleich, in Deutschland wohnen ca. 70 Millionen Deutsche (fast 7/8 aller Einwohner) und mit den Auslandsdeutschen gibt es fast 80 Millionen Deutsche insgesamt.

„Styrcza“ in Moldawien , „Derenk“ in Ungarn und „Nova Polonia“ in Brasilien sind Zeugnisse polnischer Emigration in diese Länder. Ich habe versucht das Leben der Nachkommen zu charakterisieren. Besonders interessant ist „Adampol-Polonezköy“ bei Istanbul. Gegründet wurde dieses Dorf 1842 von Prinz Czartoryski, um die Polen für den Kampf gegen Russland, Deutschland und Österreich vorzubereiten. Diese Legende lebt und die Nachkommen, teilweise in 6er Generation pflegen ihre polnische Sprache bis heute. Dieses Dorf ist als eine Touristenattraktion bekannt.

Der türkische Präsident Atatürk besuchte Adampol in den 30er Jahren. Aleksander Kwasniewski, der polnische Präsident war dort vor zwei Jahren.

Der Artikel „Gen. Rayski“ stellt einen Polen dar, der in der türkischen Luftwaffe in den 20er Jahren sehr erfolgreich als Pilot war. Der Artikel „RPA“ beschäftigt sich mit der polnischen Intelligenzija  in Südafrika.

Auch wichig ist zu wissen, dass der höhste Berg Australiens von einem Polen zuerest bestiegen wurde. Strzelecki nannte ihn „Kosciuszko Mountain“nach Tadeusz Kosciuszko, einem polnischen Nationalhelden und Kämpfer für die Unabhängigkeit der USA. Dort ist auch eine Grafschaft, eine Stadt und eine Insel nach ihm genannt. „Wschod Europy beschäftigt sich mit den Polen in der UDSSR und „ Zachod Europy“ mit der Auswanderung nach West Europa. Auch der „Squadron 303“wird genannt, eine polnische Luftbrigade im zweiten Weltkrieg, in der Royal Air Force eine der erfolgreichsten war. Die Tatsache, dass 27 Städte in den USA und ein Dorf in Kanada Warsaw heissen , gab den Anlass über die dortigen Polen zu schreiben. In Kanada gibt es zudem ein Dorf Namens Wilno, nach der früheren Ostpolnischen Stadt. Noch bekannter ist die Ortschaft Pulaski; genannt nach Gen. Pulaski, einem Polen der für die Unabhängigkeit Amerikas gestorben ist. Meinen persönlichen Trip nach Brooklyn-Greenpoint in New York habe ich auch beschrieben. Es ist ein polnischer Stadtteil in NYC.Über die Polen in Deutschland habe ich selbstverständlich auch geschrieben. Über das Dorf Haren im Emsland was nach dem Krieg von verschleppten Polen bewohnt war und Maczkow hiess sowie über die Situation der 2 Millionen Polen in Deutschland habe ich am meisten recherchiert. Die Behandlung der 2 Millionen Polen in Deutschland lässt viel zu wünschen übrig, denn immer noch weigert sich die deutsche Seite die Polen (meist mit deutschen Pässen) als Minderheit ofiziell anzuerkennen. Diese Situation muss und wird sich bald ändern in der Zeit der Integration in Europa. Die Benachteiligung polnischer Unternehmer in Deutschland sollte auch genannt werden.Wenn Sie „Polska“ klicken so können Sie Informationen über Polen und dessen Nationalhymne entnehmen. Vor allem empfehle ich die Informationen mit Photos über polnische Prominente im Ausland. Alle wissen zwar, dass der Papst, Kopernik (Coppernicus), Zamenhof( Esperanto Schöpfer), Pilsudski( Ex-Staatschef), Mickiewicz („polnischer Goethe“), Wajda(Regisseur ausgezeichnet mit einem Oscar), Penderecki( Komponist) , Lem (Science Fiction Schreiber) sowie die Literatur Nobelpreisträger Reymont, Sienkiewicz, Milosz und Szymborska alle Polen sind, aber folgende Persönlichkeiten polnischer Herkunft sind vielleicht nicht so bekannt aber ebenso erwähnenswert. Liste von einigen Auslandspolen und polnischstämmigen Prominenten: 

I. Domeyko- installierte als erster Wetterstationen und die Eisenbahn in Chile und Peru

R. Polanski- führender Filmemacher (z.b. Macbeth), wohnt in USA, Frankreich und GB

B. Piasecka Johnson- Geschäftsführerin von „Johnson&Johnson“, Milliarderin

Z. Brzezinski- Berater von Präsident J. Carter

F. Chopin- Bester Komponist aller Zeiten (Mazurka, Polonaise),  In Mallorca u. Paris

Curie M. Sklodowska - 2x Nobelpreise in Chemie;Erfinderin von Radium und Polonium

Basia- bekannte Sängerin- „half a minute“, „promises“, „cruising for bruising“

T. Stazewski- bekannter britisch- polnischer Modezar

D.Michalczewski- polnischer Boxer in Deutschland

M. Reich-Ranicki- bester Kritiker d. deutschen Literatur (Pole!) 

Und viele, viele Andere................

 Opracowanie: Michael Pieslak, e-mail: m.pieslak@12move.de

 

Noch ist Polen nicht verloren! 

  Schlägt man Reiseführer über Polen auf, so wird dort zunächst beschrieben, was erstaunlich viele nicht wissen: wo eigentlich Polen liegt – nämlich direkt neben Deutschland in Europa. Möchte man es geographisch exakt machen, so liegt Polen genau im Herzen unseres Erdteils; Polens Mitte nördlich von £ódz (Stadt der Partneruniversität der JLU) ist nur wenige km von der geographischen Mitte Europas entfernt. Weiter kann man in diesen schlauen Büchern lesen, daß während Polen im letzten Jahrtausend seine Lage auf der europäischen Landkarte ständig geändert hat (von der Elbe bis kurz vor Moskau und von der finnischen Bucht bis zum Schwarzen Meer), so hat es jetzt innerhalb von nur drei Jahren 1990-1993, ohne einen cm zu rutschen, alle Nachbarn bis auf das Baltische Meer – DDR, CSSR, UdSSR verloren und sieben neue hinzu gewonnen. Wir wollen hier die Reiseführer zuklappen und uns den Menschen zuwenden. Die Leute in Polen sind sehr gastfreundlich, oft fröhlich – manchmal traurig – sprechen von Zeit zu Zeit dem Alkohol gerne zu; feiern ausgiebig mit Herz und Seele; sind einerseits ärmer als die Menschen in Deutschland, dafür sind sie weniger leistungsorientiert; sind herzlich und aufgeschlossen, einfallsreich und improvisationsbegabt. Die Hälfte aller Polen lebt aufgrund von historischen Ereignissen (Flucht nach den niedergeschlagenen Aufständen und Übervölkerung) außerhalb der heutigen Grenzen ihrer Heimat, v.a. in den USA und der damaligen UdSSR. Aber auch in den klassischen Einwandererstaaten in Südamerika, Australien, Kanada, Südafrika und auch in Westeuropa findet man ihre Nachfahren. Von den fast 40 Mill. Einwohnern der Rzeczpospolita Polska sind fast 100% Polen, von denen einige eine doppelte Staatsangehörigkeit haben (v.a. die ukrainisch-polnische und die deutsch-polnische). Dies ist ein Novum in der polnischen Geschichte. Seit dem Frühmittelalter sind verschiedenste Menschen von der Mongolei bis Spanien nach Polen eingewandert und haben ihre Kulturen mitgebracht, so daß Polen bis zum Zweiten Weltkrieg ein multikultureller Vielvölkerstaat war. Zur Zeit des „Goldenen Zeitalter“ (1386-1572), als die „Republik Polen“ der größte Flächenstaat in Europa war, wurden die Einheimischen fast zur Minderheit im eigenen Land. Polen galt damals als „Land ohne Scheiterhaufen“ in Europa und viele Glaubensflüchtlinge (v.a. Juden, Hussiten, Protestanten, Arianer) wurden durch die zahlreichen Toleranzedikte aus den 13.-16. Jahrhunderten angelockt. Bald lebte über die Hälfte aller Juden auf der Welt in Polen, die es Polin nannten, was „Land in dem du Frieden findest“ auf hebräisch bedeutet. Hier konnten auch im frühen 15. Jh. die aus Italien geflohenen Humanisten (Callimachus, Montelupi, Boner, Faust Socyn u.a.) offen die Gedanken der Renaissance verbreiten, noch bevor diese Ideen ins damals noch mittelalterliche Westeuropa kamen. Im späten 15. Jh. konnte in Krakau (weit weg von Rom und der Inquisition) Copernicus mit seinen Professoren über die Heliozentrik debattieren, als an den anderen europäischen Universitäten noch die Scheibenform der Erde als einzig wahre Lehre galt. Es waren an der Wende des 14./15. Jh. die Rektoren dieser Universität, die als erste in einem frühen Völkerrechtstraktat den Angriffskrieg ächteten, als sie dem Papst und dem Kaiser entgegenhielten, daß auch „heidnische Völker“ ein Recht auf einen eigenen Staat haben und daß ein Angriffskrieg gegen sie Unrecht sei. Es ging um das mit Polen in Personalunion regierte Litauen, dessen Bevölkerung teilweise vom lateinischen Christentum zum Ahnenkult zurückgekehrt war und das nach der Ansicht der Großmeister des Ordensstaates der Kreuzritter mit Gewalt rechristianisiert werden musste. Später wurde Litauen und „die Krone“ endgültig zur Respublica Polonia vereint. Obwohl Polen eine (Wahl-)Monarchie blieb, hat der König durch die Konstitution Nihil Novi von 1504 seine Gesetzgebungsbefugnis an den vom Adel (der ca. 10% der Bevölkerung ausmachte) gewählten Sejm abgegeben. Da theoretisch die prozentuale Mitwirkungsbefugnis der Bevölkerung an der Wahl des Staatsoberhauptes in Polen im 16.-18. Jh. höher war, als z.B. in den antiken griechischen Polis, kann man zurecht von der Republik Polen sprechen. Freilich konnten aber nur diejenigen Adeligen mitabstimmen, die sich die Reise nach Krakau, Piotrków oder Warschau leisten konnten. Das waren vor allem die Magnaten, der höhere Klerus und die Krakauer Professoren, die alle automatisch mit der Professorenwürde vom König den Adelstitel bekamen. Die Universitäten – allen voran die Jagiellonen Universität in der Hauptstadt Krakau – spielten in der Geschichte Polens eine wichtige Rolle. Kazimir der Große gründete sie 1364 gegen den Willen des Papstes und des Kaisers, als zweite Universität in Mitteleuropa nach Prag (1348). Hier haben polnische Könige, Jan Kochanowski, Nicolaus Copernicus, Hugo Kollataj, Józef Dietl und Karol Wojty³a (Johannes Paul II) studiert. Im 15. und 16. Jh. galt sie als beste Universität für Mathematik und Astronomie, die auch sehr viele Ausländer (v.a Italiener und Deutsche) ausgebildet hat. Mit über 100.000 Studenten (jeder achte Krakauer ist ein Student) ist sie heute eine der größten Alma Mater in Europa. In der frühen Neuzeit entstanden weitere Universitäten in Zamoœæ, Raków – als arianische Akademie, Vilnius (Wilno/Wilna), Lvov (Lwów/Lemberg) etc. Heute studieren in Polen ca. 2 Mill. Kommilitonen an über 50 Universitäten, von denen die UJ in Kraków (Krakau), UW in Warszawa (Warschau), UAM in Poznañ (Posen), US in Katowice/Gliwice (Kattowitz/Gleiwitz), KUL in Lublin, UJK in Wroc³aw (Breslau) und die Universitäten von Gdañsk (Danzig) und £ódz die bekanntesten sind. Viele Studiengänge, darunter auch Medizin, werden für Ausländer (v.a. Amerikaner und Norweger) in Englisch angeboten. Interessenten möchte ich auf die Suchmaschine unter www.polska.pl verweisen u. das Erasmus- und Praktikantenaustauschbüro der JLU aufmerksam zu machen. Obwohl in den westlichen Nachbarländern viele Vorurteile (die teilweise zutreffen, teilweise nicht) über die Polen bestehen, wissen die Nachbarn i.d.R. wenig über die Polen. Dies liegt zum einen daran, daß sie die Polen nicht mit Polen assoziieren, wie z.B. Miko³aj Kopernik (Nicolaus Copernicus), Fryderyk Szopen (Frederic Chopin), Maria Sk³odowska (Marie Curie), Józef Konrad Korzeniowski (Joseph Conrad), Wilhelm Apollinaris Kostrowicki (Guillaume Apollinaire), Ludwik Zamenhof, Janusz Korczak, Stanislaw Lem, Roman Polanski, Artur und Helena Rubinstein, und zum anderen daran, daß sie nach 45 Jahren Iron Curtain viele von ihnen vergessen haben, wie z.B. Tadeusz Koœæiuszko, Adam Mickiewicz, Henryk Sienkiewicz, Helena Modrzejewska oder Hugo Kollataj, der die erste allgemeine Volksbildung auf der Welt organisiert und die erste demokratische Verfassung Europas (noch vor der französischen) im Rahmen des vierjährigen Sejms geschrieben und am 03.05.1791 in Warschau proklamiert hat. Als Reaktion darauf haben die absolutistisch regierten Nachbarländer die Republik Polen ihrer Unabhängigkeit endgültig entledigt. Trotz der langen Okkupation seit den polnischen Teilungen 1772/1792/1795-1918 und der nationalsozialistischen und kommunistischen Besetzungen 1939-1989 haben die Polen ihre Identität und Kultur nicht verloren. Keiner der polnischen Flughäfen liegt weiter als 0,5 Flugstunden von Frankfurt entfernt und die polnischen Verkehrsmittel sind für deutsche Verhältnisse sehr preisgünstig. Dank der unmittelbaren Nähe, dem dichten Straßen- und Schienennetz und den niedrigen Kosten eignet sich Polen sowohl als Wochenendausflugs- als auch als Langzeiturlaubsland. Zum einen hat es für Sportfreaks viel zu bieten: Nach Finnland ist Polen das Land mit den meisten Seen/km auf der Welt und daher ein Paradies für Wassersportler, die vor allem in Masuren, Pommern und Großpolen im Norden auf ihre Kosten kommen. Skifahrer und Bergsteiger finden in den Karpaten und den Sudeten, im Krakauer Jura und im Heilig-Kreuz-Gebirge im Süden hervorragende Bedingungen. Andererseits hat Polen für Kulturinteressierte ein reiches Angebot: Durch die königliche Krakauer Altstadt schlendern, die zurecht als schönste Renaissancestadt neben Florenz gilt; abtanzen in den Warschauer Clubs und Diskotheken, bzw. den Klavierklängen der täglich stattfinden Chopinkonzerte im klassizistischen Warschauer £azienki-Park lauschen; für ein paar Euro in die Nobelrestaurants oder Kinos (Filme werden in der Orginalsprache gezeigt) an der Gdañsk-Sopot (Danzig-Zoppoter) Ostseepromenade schick ausgehen; die schönsten Naturparks Europas im Osten Polens (Masuren, Biebrza, Bia³owie¿a, Waldkarpaten) mit dem Segelboot, Kanu oder Pferd erkunden. Da die Preise in Polen viel niedriger sind als in Deutschland und viele junge Polen entweder deutsch, englisch oder beides sprechen, habt ihr wirklich nichts zu verlieren – außer vielleicht Vorurteile. Und falls man die verliert, hat man nichts verloren - allenfalls neue Freunde gewonnen. Insofern wären für Euch dann Polen und die Polen nicht verloren. Auch hier seien Interessenten auf das Internet www.polen-info.de aufmerksam zu machen. 

(„Noch ist Polen nicht verloren“ ist ein polnisches Lied im Mazurektakt, daß für Henryk D¹browski 1797 in Italien geschrieben und 1926 zur polnische Hymne wurde. In Deutschland hat man seit dem 19 Jh. die erste Zeile dieses Liedes zitiert, wenn man jemanden Mut oder Hoffnung zusprechen wollte)

Danke an den Autor Roman Jüngling. -  romek.j@web.de

http://www.wikipedia.org/wiki/Polnischsprachige_Kultur_in_Deutschland.de